ARCHÄOLOGIE - Vorderasiatische Archäologie

Die Vorderasiatische Archäologie ist eine wissenschaftliche Disziplin, die sich auf Grundlage archäologischer Quellen mit der möglichst umfassenden Erforschung des Alten Orients befasst. Forschungsmethodisch steht sie der Ur- und Frühgeschichte nahe und behandelt einen Zeitraum von grob 10.000 Jahren, der spätestens mit der Ausbreitung des Islam im 7. Jahrhundert endet. Sie ist eng mit der Altorientalistik verknüpft und wird im englischen Sprachraum oft mit dieser zu den Ancient Near Eastern Studieszusammengefasst. Sie beschäftigt sich heute mit allen archäologisch fassbaren Spuren des Alten Orients, der Topographie, der Architektur, der Kunst und des täglichen Lebens.

Die Vorderasiatische Archäologie entstand vor allem ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, zunächst als Schatzsucherei im Auftrag der großen europäischen Museen. Im ausgehenden 19. Jahrhundert entwickelte sich daraus in einer Koevolution mit der Altorientalistik jedoch eine wissenschaftliche Disziplin, die auch an wissenschaftlichen Einrichtungen angesiedelt war und zunächst vor allem in Auseinandersetzungen mit der Theologie verwickelt war. Vor allem nach den beiden Weltkriegen kam es zu umfangreichen Forschungsarbeiten im Vorderen Orient, welche mit sich verfeinernden Methoden und neuen theoretischen Ansätzen einhergingen. Heute spielt vor allem der Aspekt der Rettung kulturellen Erbes eine große Rolle, während die archäologische Feldforschung sich zugleich vermehrt Problemen durch fehlende finanzielle Unterstützung und politische Schwierigkeiten im Kernforschungsgebiet ausgesetzt sieht, so dass heute vor allem auch in eher peripheren Regionen geforscht wird.

An deutschen Universitäten wurde die Vorderasiatische Archäologie seit 1948 fest in den Fächerkanon integriert, so dass das Fach heute an neun Universitäten im Bundesgebiet studiert werden kann. Wichtigste Forschungseinrichtung ist das Deutsche Archäologische Institut, welches eine eigene Abteilung für den Vorderen Orient hat. Daneben betätigen sich vor allem die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Deutsche Orient-Gesellschaft in der Finanzierung entsprechender Forschungsprojekte. In der Schweiz wurde 1982 an der Universität Bern der erste und bislang einzige Lehrstuhl für Vorderasiatische Archäologie eingerichtet. Weiterhin betreibt die Schweizerische Gesellschaft für Orientalische Altertumskunde Forschungen zum Alten Orient.

Da sich im Forschungsgebiet der Vorderasiatischen Archäologie mit dem Übergang zur Sesshaftigkeit und Nahrungsproduktion, der Entstehung von Städten und Staaten und der Schriftentstehung mehrere bemerkenswerte Entwicklungsschritte der Menschheit weltweit erstmals vollzogen, bezeichnet sich die Vorderasiatische Archäologie manchmal auch als „Archäologie der Anfänge“.

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